• Marie Spitznagel

Testleser. Eine Ode an Menschen, die ich nicht kenne (meistens)

Liebe Freunde der gepflegten Unterhaltung, ich begrüße euch nach langer Abstinenz wieder auf meinem Blog. Ich bin zu unorganisiert, um regelmäßig zu bloggen und das ist schade. Weil ich es gerne mache.

Aber egal. Jetzt habe ich ja viel Zeit.

Daher nutze ich die Gelegenheit und schreibe über ein Thema, das mich gerade jetzt durchaus betrifft. Testleser!

Aber was sind Testleser und warum überhaupt?

Verlagsfreie Autoren wie ich bezahlen ihre Lektoren nach korrigierter Seite. In den meisten Fällen ist in diesem Service auch nur ein, maximal zwei, Korrekturgänge enthalten. Das bedeutet also, ich kann meinen Lektor nicht mitten in der Nacht betrunken anrufen und ihn fragen, ob ihm dieses oder das andere Ende meines Buches besser gefallen hat. Auch diese Menschen müssen von etwas leben und unsere Dankbarkeit reicht da nicht.

An wen wende ich mich also, wenn ich mir unsicher bin, wenn ich Feedback brauche, wenn ich wieder einen „Ich bin doof und alles, was ich je geschrieben habe stinkt“ Anfall habe?

Nun, im Regelfall muss mein Hund diese (relativ regelmäßigen) Anfälle ausbaden. Aber ihre Kenntnisse über Literatur im Speziellen und Allgemeinen sind doch begrenzt.

Echte Rückmeldung kann ich nur von jemanden bekommen, der meine Manuskripte liest. Hier kommen also die Testleser heroisch in diesen Text.

Was ist ein Testleser?

Schön, dass mich das fragt, Timmy.

Ein Testleser ist ein Mensch, der das unfertige Buch liest und dem Autoren dann seine Meinung dazu sagt. Manchmal machen sie das, weil sie den Autoren kennen und ihm einen Gefallen tun möchten. Manchmal machen sie das, weil sie gerne ihre Meinung zu Sachen sagen. Im Endeffekt ist das fast egal und ein Testleser, der ehrlich und konstruktiv seine Meinung sagen kann ist heutzutage Gold wert!

Es gibt natürlich gute und schlechte Testleser, hilfreiches Feedback und Rückmeldungen, die gar nichts bringen. Es gibt fleißige Testleser, die schnell lesen und umfangreiche Kommentare geben, es gibt aber auch die, die sich nie wieder melden. Tatsächlich machen mich die immer nervös. Wenn jemand dein Buch, dein Baby, in diesem sensiblen ersten Stadium liest und sich dann nie wieder meldet, versinke ich in einem dunklen Meer aus Selbstzweifeln. Für mich bedeutet das „ich fand dein Buch doof, aber ich traue mich nicht etwas dazu zu sagen“.

Um das zu vermeiden, habe ich für euch meine super Toptipps für die Testlesersuche!

Ich habe nämlich ausreichend Erfahrung mit guten und weniger guten Testlesern.

Daher teile ich hier meine Top 5 Tipps für meine Arbeit mit Testleser

1. Klasse statt Masse

Die erste Frage, wenn man sich einen Testleserpool aufbaut, ist: Wie viele Leser brauche ich und wo bekomme ich sie her?

Jenna Moreci empfiehlt in ihrem YouTube Video zu dem Thema mindestens 20. Ich bin auch mit 10 guten Testlesern zufrieden.

Wenn du Menschen hast, denen du vertraust und die gerne lesen, dann gib Ihnen dein Buch. Regelmäßiger Kontakt hilft beim Austausch. Ein guter, kleinerer Kreis von fünf bis zehn Leuten ist, für mich jedenfalls, perfekt. Wichtig ist, dass sie deinem Zielpublikum entsprechen und sie müssen nicht zwangsweise selber schreiben. Sie müssen nur gerne lesen!



Aber Achtung:

Die beste Freundin, Mutti oder der Partner sind meistens (natürlich nicht immer) nicht sehr zuverlässige Kritiker. Wenn jemand alles gut findet, macht er seinen Job schlecht.

Finden kannst du Testleser in deinem direkten Umfeld. Bei mir haben sich einige Leute gemeldet, nachdem ich in meiner WhatsApp Story einen Suchaufruf gestartet habe. Auch Anfragen bei anderen Social Media Plattformen können gut funktionieren. Es gibt sogar besondere Facebookgruppen, in denen man einen Suchaufruf starten kann. Kennt ein Anwärter meine Bücher noch nicht, sende ich eine Kurzgeschichte oder den Auszug meines ersten Buches zum Probelesen. Dann weiß der potentielle Testleser, worauf er sich einlässt!

2. Der perfekte Zeitpunkt

Es macht wenig Sinn, dem Testleser die erste Fassung deines Buches zu geben. Denn du wirst sie noch diverse Male überarbeiten. Für mich ist der perfekte Moment erreicht, wenn ich das Manuskript zum Lektor geben würde. Dann gebe ich es erstmal den Testlesern und fasse das Manuskript zuhause auch nicht mehr an. Die Zwangspause, die ich dann habe, hilft mir auch mit dem Feedback klarer umzugehen.

Natürlich habe ich auch vertraute Personen, denen ich grobe Ideen pitche und mir ihre Meinung dazu anhöre, das sind aber nicht (zwingend) auch meine Testleser.

3. Wie läuft das ganze ab?

Es fällt manchen Menschen sehr leicht, ausgefeilte Kritiken zu formulieren. Anderen wieder nicht. Daher ist es eine gute Hilfestellung für die Testleser und auch später für dich beim Editieren, wenn du den Testlesern einen Fragebogen mitschickst, auf dem du deine Fragen formulierst.

Mir persönlich hilft es, feste Termine zu setzen und die von Anfang an zu kommunizieren.

Wenn du nicht nur einen schriftlichen Feedbackbogen wünschst, ist auch ein Telefonat oder (wenn möglich) ein persönliches Gespräch eine gute Möglichkeit Feedback zu hören. Aber ich persönlich glaube, dass es vielen Menschen leichter fällt Kritik schriftlich zu formulieren.

4. Nicht scheu sein!

Wenn ein Testleser nicht mehr antwortet, frag nach; auch mehrmals. Ja, das ist schwer. Ich kenne das, ich hasse es, nachzufragen und fühle mich wie ein nerviger Bittsteller. Aber da muss ich auch durch.

Teilweise gehen Dinge einfach unter. Schließlich werden Testleser nicht bezahlt und haben auch noch ein eigenes Leben, neben deinem Buch. Aber, wer nach drei Erinnerungen nicht mehr antwortet, der sollte einfach von deiner Testleserliste gestrichen werden. Dieser Testleser wird dein Buch nicht lesen. Keine Sorge, das passiert jedem Mal. Manche Menschen überschätzen manchmal ihre Zeit und unterschätzen die Arbeit, die sie in dieses Projekt stecken müssten.

5. Das Feedback umsetzen

Du solltest immer darauf hören, wenn ein Testleser sagt «Das funktioniert nicht für mich». Denn letztendlich ist das, das Feedback deiner Zielgruppe. Aber lass dir nicht eine Änderung aufdrücken, die du nicht gut oder logisch findest.

Testleser soll

en dir helfen, deine Geschichte zu verbessern, nicht eine komplett Neue zu schreiben.

Nimm die Kritik und lies dir deine Geschichte nochmal, mit frischen Augen durch.

Dann nimm die Antworten der Testleser dazu und gehe jedes Kapitel damit durch.

Was hilft? Was ist dir ebenso aufgefallen? Was nicht? Gibt es etwas, dass deine Testleser nicht verstehen? Wie kannst du es klarer machen?

So meine Lieben,

ich hoffe, dieser Beitrag wird allgemein als hilfreich betrachtet. Fühlt euch virtuell und virenfrei gedrückt.




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